Neuer Tag, neuer Camping und viele wunderschöne Eindrücke
Ein neuer Tag im wunderschönen Spanien brach an und wie bereits erwartet gelang uns gegen 8:30 die Flucht aus dem backofenartigen Innenleben unseres Fahrzeugs. Nur Moritz scheint die Hitze nicht zu stören, denn der gute Herr schläft gerne mal 30 - 60 Minuten länger als wir. Liam war gerade dabei vom Dachzelt auf die Stuhllehne zu klettern und brachte uns zum Lachen mit den Worten: "heute fühle ich mich nicht so bonita". Für die, welche jetzt Mühe haben zu verstehen was gemeint ist: heute fühle ich mich nicht wirklich gut. Liams Problem verschwand jedoch schnell wieder und sein Morgengroll verzog sich.
Nach dem Vergnügen kommt ja bekanntlich die Arbeit...
Leider ist das auch im Camper-Leben so. Eineinhalb Tage waren vorbei und für uns hiess es an diesem Morgen Abschied vom ersten Camping zunehmen und aufzuräumen. Nicht unsere Vorliebe, jedoch gehört es dazu und mit vereinten Kräften überwunden wir uns, von unseren Stühlen hochzukommen. Alena und Alex wurden an diesem Morgen offiziell zu Aufräum-Genies gekrönt. Okay wir haben uns unabhängig von den anderen beiden so benannt. Aber wir zwei funktionieren auf eine Art und Weise an die kein anderes Duo herankommt. Kann daran liegen, dass wir ein und dieselbe Hirnzelle teilen und die Arbeiten dadurch gleich angehen, aber es kommt uns hier wieder einmal nur zugute. Herrlich, das Bett wurde wieder zu einer Sitzbank, der Krimskrams fand sich in seiner Schublade wieder und mit viel studieren und murksen, konnten wir zu viert Peggy wieder in ihr Häuschen "schletzen". Der "haben wir wirklich nichts vergessen"Blick ging rundum und jeder fand sein Plätzchen in unserem Pablo (der Van... für die, die nicht aufgepasst haben).
Achtung jetzt kommt der Teil, der uns jedes Mal glücklich macht, wenn wir los brettern. Die Klimaanlage!
Das kalte Lüftchen, welcher bei uns eher einem zielsicheren Luftstrahl gleicht, ist und bleibt einfach ein wunderbares Highlight. Alena musste für fünf Minuten nochmals in die schwüle Hitze, um uns auszuchecken aber dann endlich konnte uns nichts mehr aufhalten. Adios Marbella - auf nach Almería! Unser lieber Pablo wurde etwas in Mitleidenschaft gezogen, denn der Baum unter welchem wir campiert haben, hat hin und wieder etwas klebrige Flüssigkeit von sich gegeben. So klebte unser ganzes Auto und die Frontscheibe sah aus, wie bei einem dieser verlassenen Vans aus Horrorfilmen. Wir liessen uns aber nicht weiter davon beirren und unser Wohnmobilpapa startete den Motor und fuhr zielorientiert los. Ihr erinnert euch sicher an unsere Auto-Zählerei, denn das erste Fundstück liess nicht lange auf sich warten. Eine Dame mit gewagtem orangen Outfit und der passenden Haarfarbe ging am Strand entlang und weil sie uns so sehr aufgefallen ist, galt ihre Anwesenheit als ein Auto in Liams Zähler. So fuhren wir, und fuhren wir bis kurz vorm Ziel zu einer Einkaufsmöglichkeit. Da füllten wir unsere Vorräte auf und machten uns auf die Zielgerade.
Angekommen am Camping Sopalmo wollten Alena und Liam alle anmelden.
Die Dame von der Rezeption meinte dann: "ach, sucht euch schon mal ein Plätzchen, mein Mann kommt dann in zwei Stunden für den Check-In". Hier kann man wieder einmal feststellen am realen Beispiel, wie wichtig den Spanier die Siesta ist. Wir suchten also unseren Platz, parkierten Pablo und stellten Peggy auf. Bis wir merkten, der Platz ist so nicht gut genutzt und hat zu viel Sonne. Alex schwang sich auf den Fahrersitz, Moritz und Liam je auf einer Seite von Peggy und so drehten wir das Ding ein mal um. Kaum waren wir eingerichtet, kam die Besitzerin zu uns und empfahl uns den besten Platz. Nach kurzem Austausch unter uns fünf machten wir das gleiche direkt nochmal, weil das Einklappen von Peggy zu mühsam wäre. So wurde unser Schiff, inklusive Peggy dank Alex`s super Park-Künsten und den starken Händen von Moritz und Liam, ohne Schrammen oder ungewollte Zerstörung, sicher über den Campingplatz verfrachtet. Als wir dann unser Outdoor-Wohnzimmer halbwegs aufgebaut hatten, fingen wir an zu bemerken, wie schön dieses Fleckchen Erde wirklich ist.
Camping Sopalmo - ein Campingplatz weit weg von der Realität, vom schnellen Leben und von unserem technischen Dasein.
Dieser Ort war bis ins kleinste Detail mit viel Liebe und Herzblut hergerichtet worden. Die Besitzer waren ein Ehepaar mittleren Alters, total herzlich und es machte den Eindruck als würden sie hier in ihrer kleinen, bunten, ruhigen und gemütlichen Welt leben. So schön, wenn Menschen einfach mal gegen den Strom schwimmen, sich selbst versorgen und dazu noch ein Hund von der Strasse bei sich aufnehmen. Nilo, der Strassenhund darf nun das gleiche ruhige und detailverliebte Leben leben, wie seine Besitzer. Stellt euch diesen Platz doch mal vor: Ein Kiesplatz mit verschiedensten Bäumen rundum und friedlichem Vogelgezwitscher. Die Rezeption gleich neben ihrem Eigenheim, welches mit Blumentöpfen und einem alten Gartenhag eingezäunt war. Auf dem Weg zu den Toiletten und Duschen war ein Teich mit kleinen Fischen und ein paar Fröschen. Die Kaulquappen wurden liebevoll eingezäunt, sodass sie nicht als Futter dienen. Der Besitzer hat sogar mit Ach und Krach eine gewöhnliche Glühbirne zwischen die Frontscheiben eingebaut. Ist das nicht unglaublich "härzig"? Gespart an Details wurde auch nicht bei den Sanitäranlagen, denn mitten im Fussboden des Frauen-WCs gab es eine kaputte Fliese. Dieses Loch in der Fliese wurde mit zwei Muscheln wieder geflickt, bei uns in der Schweiz würde nicht einmal jemand auf die Idee kommen, dass dies eine Möglichkeit wäre. Es wäre für die Schweiz unperfekt, doch hier ist es genau so richtig. Die Beiden haben auch im Abwasch-Abteil ihre kreative Ader spielen lassen, denn an der einen Wand waren wieder Muscheln in einem Mosaik angerichtet. Zudem guckten beim einen Balken drei kleine Vögelchen aus einem Nest raus. Immer wieder kam die Vogelmutter mit Fressen im Schnabel angeflogen und fütterte ihre Kleinen. Die Besitzer haben ein absolutes Tierherz, denn es störte sie nicht, dass sich die Vögel hier niedergelassen haben. Im Gegenteil, denn an einer Hauswand waren Keramikvasen angebracht mit Stroh im Innern und auch da haben sich Vögel zufrieden eingenistet. Und es geht noch weiter, denn neben den Abwaschbecken standen drei verschiedene Töpfe mit Basilikum zum pflücken. Vielleicht ist es nicht für jeden was, aber wir haben uns unglaublich wohl gefühlt. Es war zum "brüelle" schön, denn diese Menschen haben unserer Meinung nach ein Paradies hergerichtet. Wir müssen es nochmals sagen, genau das ist das Schönste am Reisen. Dinge die so einfach sind und wenig Geld kosten werden hier noch umgesetzt. Diese Menschen denken an die kleinen Dinge, schätzen sie wert und benutzen ihre eigenen Hände noch. Wir kennen das leider nicht mehr und leben in einem Land, indem alles noch besser oder noch mehr und teurer wirken muss. So das war genug Nostalgie aber wir hoffen ihr konntet anhand unserer Beschreibung kurz in eine Welt abtauchen, wo das Leben noch ganz viel schöner wertgeschätzt wird.
Als wir dann aus dem Staunen, des Campingplatzes kamen und uns wie sterbende Fische in den Schatten legen konnten, fiel uns ein Problem auf.
Tonnenweise an Fliegen machten sich ebenfalls unter unserer Peggy breit. Wir reden hier nicht von 10 Fliegen, welche ständig stören, sondern wir reden von 100-200 Fliegen, die massiv mehr stören. Vermutlich genoss das ganze Fliegen-Dorf unser Schatten, denn es war unglaublich heiss. So heiss hatten wir es zuvor noch nicht und konnten uns auch nicht vorstellen, dass es noch heisser werden kann, als diese Temperaturen. Dadurch, dass wir bereits Erfahrung haben mit dem Basteln einer Wespenfalle, machten wir es uns zur Aufgabe eine neue zu kreieren, die für Fliegen gemacht ist. Die PET-Flasche wurde dieses Mal tiefer unten abgesäbelt und anstatt Bier, Balsamico und Eistee, kam dieses Mal Spülmittel und Honig hinzu. Bitte googelt es nicht, wir haben bei beiden Fallen definitiv nicht das originale Rezept verwendet. Um euch vorab schon zu spoilern und das Ergebnis gleich auf den Tisch zu hauen - Wir haben vier Fliegen gefangen. Okay eine von den Vieren hat Alex vor der Falle erwischt und gedacht es hilft, wenn eine schon drin ist als Lockmittel. Da die Siesta vorbei war, kam erstaunlicherweise doch die Besitzerin und nicht der Besitzer für den Check-In. Wir waren auch verwirrt, aber die Dame war so lieb, dass wir natürlich brav mitgemacht haben. Moritz liess seine spanisch-Kenntnisse wirken und organisierte für uns den Papierkram an der Rezeption.
Ein Schenkelklopfer war dann die Erkenntnis im Nachhinein.
Ein Lichtlein ging auf und Alena bemerkte, dass sie den kompletten Betrag bereits im Voraus bezahlt hatte. Super, die Karte war bereits belastet worden und Alena und Alex rafften sich auf, um das Missverständnis zu klären. Eigentlich waren wir etwas gereizt, doch als wir Símon (den Besitzer) antrafen und er sich hochachtungsvoll etwa hundert Mal entschuldigte, konnten wir nicht anders als überaus lieb zu sein. Er meinte, seine Frau werde das Geld sofort versuchen zu überweisen und ansonsten bekämen wir es bar. Das klang für uns plausibel und wie soll man solch tollen Menschen nicht vertrauen können oder? Wir liessen uns nicht weiter beschäftigen mit dem Thema und gesellten uns zu unseren drei Mitcampern zurück. Auch unser lieber Fermin hatte an diesem Tag noch eine wilde Begegnung. Der gute Herr brauchte etwas Auslauf und traf das erste Mal auf das Wundertier, das Huhn. Keine Sorge, das Huhn war hinter einem Gitter und lebt noch, nur Fermin schien etwas verstört zu sein über das durchaus komische Vieh. Vermutlich dachte er sich nur "so etwas habe ich auch noch nie gesehen".
Als wir wieder alle zusammen waren und nur kurz etwas ruhen wollten, wurden wir von einem lauten Knacken und Rauschen einer Box erschreckt.
Kurz darauf stand unser Nachbar neben uns. Mit sehr starkem spanischen Akzent erklärte er uns, dass sie am Abend das WM Spiel von Spanien gegen Frankreich schauen und es dadurch etwas lauter werden könnte. Im gleichen Atemzug fragte er nach, ob das für uns denn in Ordnung ist, was wir selbstverständlich bejahten. Moritz schien sehr angetan von dem Plan der Nachbarn und fragte einfach mal ob Liam und er denn mit ihnen schauen dürften, was anschliessend ohne Bedenken, sondern mit viel Freude bestätigt wurde. In der Zwischenzeit haben Alex und Alena fleissig am Blog weiter getüftelt. Irgendwann wurden uns die Mücken zum Verhängnis, weshalb wir zur guten alten Citronella griffen. Die Gute wurde angezündet und die Flamme züngelte nur so vor sich hin. Bis ein kleiner Windstoss auf uns zukam. Dieser war aber wohl doch mehr als erwartet, denn ein Papiertuch bahnte sich so den Weg zur Flamme. Alex konnte mit ihren Super-Kita-Reflexen den Camping vor dem Waldbrand retten. Da haben wir nochmals Glück gehabt! Der Match kam zu einem Ende, Spanien hat gewonnen und die Laune auf dem Camping war unglaublich gut. Als Moritz und Liam wieder zurück zu uns fanden, war endlich Zeit fürs Abendessen.
Wir gönnten uns Käserisotto mit Poulet-Geschnetzeltem.
Falls ihr nun nachrechnet, weil wir erst nach dem Match gegessen haben, nein wir haben das mit dem "früher Kochen" noch nicht gelernt. Unsere vielen Fliegen haben uns natürlich auch bei diesem Festmahl begleitet und Liam haben die kleinen Dinger wohl besonders zu schaffen gemacht. Alena hatte zuvor einen Witz gemacht, dass alle Fliegen vermutlich einen Namen mit "F" haben, sowie Fabian oder Fiona. Auf ein Mal, drang ein Gespräch aus dem Van heraus. Während Liam noch das Ketchup aus dem Van holte plauderte er, zwar nicht unbedingt freundlich, aber ausgiebig mit ihnen. Langsam machen wir uns Sorgen, dass wir alle einen Knacks haben. Nach dem Essen hatten wir alle so volle Bäuche, dass wir den Abwasch auf den Folgetag verschoben haben. Noch kurz die Zähne im Busch geputzt und wir waren bereit fürs Bettchen. Die Nacht sollte nicht so entspannt werden wie erhofft, denn im Van war wieder eine unaushaltbare Hitze. Fermin konnte diese kaum verkraften, weshalb Moritz sich bereit erklärte mit ihm bis in die frühen Morgenstunden draussen zu Sitzen. Zum Glück konnte sich der kleine Mann etwas beruhigen. Alle Löcher waren offen und die nicht sonderlich erholsame Nacht zog an uns vorbei, sowie der Schweiss der aus allen Poren und Ritzen floss.
Gar nicht mal so "bonita" aber dafür überzeugt der Camping massiv mit Herz und viel Liebe zum Detail!
Kommentar hinzufügen
Kommentare