Kapitel 5; Wespen, Meer und Fächer auf der Birne

Veröffentlicht am 13. Juli 2026 um 23:00

Kollaps am Morgen früh

8:00 und Alex sowie Alena hetzten aus dem Van. In unserem Schlafgemach, war es etwa so angenehm, wie wenn man den Geschirrspüler frisch aufmacht und den Kopf zu weit gen Öffnung richtet. Schnell musste eiskaltes Wasser aus unserem Kühlschrank her, denn der Mund war so trocken wie der Sandboden in der Wüste. Wir denken ihr versteht, wie sehr wir gelitten haben. Müde Gesichter trafen sich beim Campingtisch und schwiegen erst mal vor sich hin. Es brauchte ordentlich Zeit bis der erste Schenkelklopfer an unseren Tisch fand. Nach längerem zu sich finden, konnten wir gediegen ins Frühstück starten. Toast mit Aufschnitt, Babybell, Konfi und auch Frischkäse füllte unseren Bauch.

Grade als Alex in ihr zweites Brötchen beissen wollte, machte sie Bekanntschaft mit einer Wespe.

Die Wespe surrte um ihr Brot herum und anscheinend wollte sie bleiben, denn das leichte Wegschieben störte sie nicht in ihrem Vorhaben. Alex musste mittlerweile still halten, die Lippen aufeinander pressen und zusehen, wie die Wespe ihr Brötchen beschlagnahmte. Jetzt reicht`s dachte sich Alex und legte etwas Aufschnitt auf den leeren, gegenüberliegende Wohnmobil-Parkplatz. Beim Weglaufen kam die Wespe jedoch hinterher... So legte sie das ganze Brot hin, stampfte zurück und strich sich ein Neues. Die Wespe schien dankbar zu sein und liess uns dafür in Ruhe. Als wir ein Verdauungs-Päuschen genossen, kam uns wieder eine neue Idee in die Sinne geschossen. Mit etwas Hilfe des guten alten Internet schnitze Liam uns das optimale Behältnis für eine Wespenfalle. Dieses befüllten wir mit der Hälfte der Zutaten, denn den Essig haben wir auch zu Hause gelassen. Den beiden "Fräuleins" schliefen langsam die Beine ein vom vielen Sitzen, daher kam die Idee in die Spiele-Tasche zu schauen. Gut, dass wir gar kein Spiel gespielt haben, sondern ein leeres Fach in unserem Schiff gefunden haben.

Glaubt es uns, wir haben auch gestaunt, dass es noch ein leeres Plätzchen gab.

So wurde dies nun mit Spielen und unseren Büchern befüllt. Auch oberhalb, nähe des Kofferraums gab es ein fachartiges Teil zum öffnen. Alena war ganz berauscht von diesem Fach und wollte direkt ihr Näschen reinstecken, nur blöd war, dass die Fallhöhe nicht ganz berechnet war. Rums und Plumps machte es und schon hatte Alex das Fach auf dem Kopf. Gescheppert hat es aber der Humor überquoll, so dass der ganze Campingplatz bis in die letzte Spitze mit lautem Lachen gefüllt wurde. So extrem "vergrölte" es uns, dass die Tränen nur noch so vor sich hin flossen. Das sollte aber nicht der letzte Lacher bleiben. Das Bett musste noch "kurz" zurück gebaut werden und wie ihr bereits wisst, war das der Punkt bei dem wir Sejads Informationen nicht sonderlich gut abgespeichert haben. Knöpfe wurden gedrückt und irgendetwas passierte. Kurz darauf ertönt ein lautes "Huch" von Alena, die plötzlich die halbe Matratze im Gesicht hatte, diese entfaltet sich nämlich relativ praktisch von alleine. Alena wurde aus ihrer misslichen Lage befreit und das Bett war bezugsfertig für die Nacht. Gemacht ist gemacht und uns war es lieber Alena am Nachmittag im Hellen zu befreien, als später im Dunkeln.

Moritz und Liam machten sich dann auf den Weg zum Einkaufen, um unseren Wasser-Bestand aufzufüllen und auch an etwas Salz zu gelangen.

Nach der Wanderung berichteten die zwei von dem Trottoir, was wie es sich herausstellte, nur ein kleiner Kiesweg neben der Schnellstrasse war. So kam das heilige Wasser, Salz für unsere Nudeln und einiges mehr mit den beiden Herren zurück, woraufhin die zwei sich eine Abkühlung im Pool genehmigten. Erfrischt kehrten die beiden zurück, jedoch auch mit einer tollen Geschichte. Die Spanier scheinen das mit den Metern etwas anders verstanden zu haben als wir, denn Moritz und Liam sind im 1m40 Teil fast untergegangen. Wir können bezeugen, dass die zwei grösser sind. Mit dem wilden Pool-Ritt im Nacken wollten die beiden schauen, ob Liams Projekt funktionierte, hoffnungsvoll nahmen sie die Wespenfalle unter die Lupe und gleich darauf kam die Enttäuschung... sie war leer. Anscheinend müssen wir das nochmal üben mit dem Basteln.

Ein lautes Geräusch riss uns aus den Wespen-Gedanken.

Alena hatte kurzerhand vergessen, dass Fermin an ihrem Stuhl befestigt war und so reisten Fermin und der Stuhl gemeinsam Richtung Baum. Die Zwei hatten wohl ein Date wovon wir nichts wussten. Der Stuhl wurde halb lachend, halb schockiert wieder eingesammelt und alle Camper waren wieder an ihrem Platz. Vielleicht war es ein Zeichen von Fermin, dass er etwas Ausgang brauchte. Moritz ging los mit ihm und kam erstaunlich lange nicht zurück... Fermin hat nämlich wieder neue Freunde gefunden. Das passiert öfters, denn mittlerweile hat er schon eine Fussballmanschaft an Fans und lieben Menschen, die ihn streicheln und feiern. Diesmal kam er sogar mit einem neuen Namen zurück: pequeño (kleiner), bonito (hünscher), diablo (Teufel). Wir denken übersetzt ins Schweizerdeutsche wollten sie damit ausdrücken, dass er "en härzige Frächdachs" ist. Später sassen wir alle beisammen und die Lust auf ein Spiel packte uns. Während Alex am Blog arbeitete, gab es für die weiteren drei eine Runde Scrabble. Die Worte gingen jedoch nach der ersten Partie aus und auch die Finger und Köpfe werden irgendwann müde, weshalb wir uns zu viert für ein Fragespiel entschieden. Moritz stellte uns Fragen aus einem Podcast welche wir alle Reihum beantworteten. Die Atmosphäre war unglaublich schön und doch so tiefgründig. Wir denken, dass wir uns alle auf ernsthafter Basis besser kennenlernen konnten, obwohl zwischen den Fragen geblödelt wurde und irgendwie eine Late Night Show daraus entstand. Jeder durfte seine Meinung äussern und die anderen hörten gespannt zu. Die Getränkeflasche wurde zum Mikrofon und es fehlte wirklich nur noch eine Kamera.

Als es langsam dunkel wurde und die Temperaturen endlich etwas abflachten, entschieden wir uns zu einem Strandspaziergang.

So packten wir alles was wir brauchten und stampften los. Auf dem Weg haben wir wunderschöne Haus-Beschriftungen gesehen und einige Autos die an Orten parkiert haben, die nicht nach Parkplätzen aussahen. Fermin war das erste Mal so richtig am Strand und das schien ihm zu gefallen. Kaum berührten seine kleinen Pfoten richtig den Sand, sprintete er umher und buddelte vor sich hin. Moritz legte mit Fermin einige olympiawürdige Sprints hin, sodass der Sand nur so davon flog und beide ordentlich ins Schnaufen kamen.  Nachdem wir uns alle genug am Strand ausgetobt haben, war der Rückweg dran. Obwohl es schon ordentlich abgekühlt hatte, brachte der Weg alle ins Schwitzen... wir sind wohl nicht die sportlichsten Geschöpfe dieser Welt. Aber müssen ja auch nicht alle sein. Über die Brücke, an den Bäumen vorbei, dann noch der letzte Aufstieg, endlich waren wir zurück auf dem Camping. Da liefen Moritz und Liam plötzlich schneller und zogen an uns vorbei.

Um die zwei zu zitieren: "Fäkalieren" und "Uri-Gelleren" stand auf dem Programm und die Erleichterung musste wohl schnell kommen, in Anbetracht ihres Gehstils.

So schlenderten Alex und Alena zurück zum Van, um es sich gemütlich zu machen. Als wir da so sassen, kam uns ein weiterer Blitzgedanke. Der Van braucht einen Namen, nun wo wir schon Peggy haben. Was wäre da besser geeignet als "Pablo". Wir hoffen euch gefällt der neue Name genauso gut wie uns! Leider mussten Alena und Alex Pablo nach der Taufe schon das erste Mal verlassen. Die Dusche ruf nicht nur nach uns, sondern sie schrie bereits schon, die feuchten Achseln von unserer Strandwanderung, wollten unbedingt unter fliessendes Wasser. So marschierten wir los und fanden uns in den selben Duschkabinen wie gestern wieder. Während Alex bereits unter dem angenehmen, lauwarmen Wasserstrahl stand, kämpfe Alena mit der Temperatureinstellung. Immer wieder fluchte es aus ihrer Kabine und sie kam nicht zum Erfolg. Mit viel Überzeugungskraft und zwei, drei Sätzen, indem sie sich selbst anlog, genoss sie die kalte Dusche. Was sollen wir sagen... Im Camper-Leben, muss man manchmal das nehmen, was man kriegen kann. Letztlich kam die Erleichterung, kurz vor Schluss kam endlich warmes Wasser. Das lag aber tatsächlich daran, dass Alex ihre Brause abstellte und somit die Leitung für Alena freigab. Als hätte Alena nicht schon genug gelitten, vergass sie im Eifer des Gefechts sich abzutrocknen. Das Duschtuch, von dem wir alle nur eins besitzen, landete auf dem Kopf und somit stand sie mehr oder weniger pitschnass da. Alex wollte versuchen zu helfen und gab ihr ihres, leider etwas ungekonnt. Über der Trennwand, muss dringend wieder mal abgestaubt werden, das konnten wir leider erst nach dem Rettungsakt feststellen. Naja... etwas ausschütteln, nicht genau hinschauen und Alena konnte sich trotzdem einigermassen abtrocknen, ohne ihr Pyjama anzufeuchten. Unser bereits eingespielter Wechsel fand statt und die Männer durften sich ebenfalls den Schweiss abwaschen. Heute nahm Liam sogar die richtige Duschkabine (die für Männer), diesmal jedoch mit Besuch. Moritz und Liam durften je eine Kakerlake begrüssen und waren mässig begeistern. Wir denken, dass es halb so schlimm war, denn ihre Körperteile waren alle noch dran. Gestehen müssen wir aber doch, dass sie froh waren, die Krabbeltiere nicht in der eigenen Dusche vorgefunden zu haben.

Da wir nun alle wieder zu unserem Campingplatz gefunden haben, fanden wir, dass es Zeit war fürs Abendessen.

Bekanntlich passt man sich in den Ferien gerne an die Sitten und Bräuche an, deshalb war auch schon 00:30 als wir den Gasherd anschmissen. Lieber zu spät als zu früh, denn die Spanier essen erst gegen 22:00. Auch wenn wir uns etwas verschätzt haben in der Zeit, schmeckte das Essen hervorragend. Wir genossen um 01:00 unsere Teigwaren mit Pesto und weil wir dasselbe Mahl gestern schon verzehrten, änderten wir die farbliche Anschauung und leicht den Geschmack. Das Pesto war heute grün und die Nudeln mit unserem ergatterten Salz gekocht.

Alena übertrieb es dadurch gleich mit der Portions-Grösse und hatte noch mindestens drei Gabeln im Teller.

Zum Glück predigt Alex seit Jahren, dass wenn es einem genügt, man schneller essen soll oder den Rest in einem Bissen nimmt. Da Alena probierfreudig ist, schaufelte sie alles auf die Gabel auf und nahm den wohl grössten Bissen ihres Lebens. Mit vollem Mund, lachend und halb würgend sass sie da. Aber wie erwartet, war sie erleichtert als der Teller endlich leer war. Mit vollen Bäuchen, einem Lächeln im Gesicht und müden Augen, beschlossen wir die Lichter aus zu machen und friedlich schlafen zu gehen. Schön, wenn Ferien sind, denn wir durften ein zweites Mal feststellen, dass es sich so einfach viel besser und glücklicher einschlafen lässt.



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