"Hopp Schwiz!"
Pünktlich auf den Anpfiff vom Match haben wir nochmals einen Fahrerwechsel eingebaut. Da aber alle etwas vom Spiel mitbekommen wollten, wurde kurzerhand das Handy mit dem Auto verbunden und jeder konnte einen Blick auf den Bildschirm erhaschen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir alle noch voller Euphorie und überzeugt, dass die Schweiz gewinnt. Etliche Male haben wir gefiebert und gejohlt in der Hoffnung, dass ein Goal passiert. Leider Gottes gab es da wohl im Universum einen Knick und die Schweiz hat verloren. Schade, denn sie hätten es wirklich verdient gehabt. Bekanntlich war das Spiel sehr früh morgens und mittlerweile waren wir circa 22 Stunden wach. Es war höchste Zeit für Alex und Alena ein Schläfchen zu machen. Das Kissen wurde geteilt und schon bald auch die Träume. Ein gutes Stündchen haben wir zwei vor uns hin gebacken bis dann die Wiederauferstehung geschah. Leider war die Position mit dem Kissen nur halb so bequem, daran wird unser Nacken etwas gelitten haben.
Die erste spanische Tankstelle musste aufgesucht werden und lasst euch gesagt sein, wir haben das unterschätzt.
Frischfröhlich standen wir also da, mit dem Ziel eines vollen Tanks, das Ergebnis: Verwirrung. Die Tankstelle hat etwa fünf Köpfe, keinen Schlitz für die Bankkarte und auch keine Beschreibung, welche ins Deutsche übersetzt einen Sinn ergab. Liam drückte ein paar Knöpfe während Alex und Alena drinnen nachgefragt haben, wie das ominöse Teil denn funktioniert, denn jegliche Rätselerfahrung brachte hier nichts. Nun fragt ihr euch sicher was denn die Antwort auf unsere Frage war... "It`s open" meinte die Dame und "no english". Ja gut, das brachte uns nicht recht weiter. Alena versuchte noch mit Google-Translate die Situation zu lösen, doch auch da könnt ihr euch die Antwort schon denken: "it`s open". Das "it`s open" hat aber zu unserem Glück irgendwie doch funktioniert. Anscheinend mussten wir uns anmelden, sodass die Tankstelle freigegeben werden konnte. Das ist jedenfalls die einzig schlüssige Antwort auf das Rätsel, die wir finden konnten. Das Tanken konnte endlich starten, nur 50 Euronen mussten wir zücken. Das lag aber daran, dass man nicht mehr als 50 Euro anwählen konnte. An der Tankstelle wollten wir noch ein flüssiges "Zmorgen" kaufen. Schoggimilch für Alex und Moritz und ein Café Latte für Liam. Kleiner Rat an dieser Stelle: nicht alle Süssgetränke im Ausland sind geniessbar, weil diese mindestens 80% mehr Zucker beinhalten als die, die wir uns gewohnt sind. So auch die Schoggimilch die ohne zu schütteln bereits den Mund verklebte. Auf jeden Fall wollten wir nicht mehr erfahren, wie es denn mit dem Schokoladenboden, welcher sich unten bildete geschmeckt hätte. Genug Tankstelle für den Moment, wir mussten schliesslich auch noch weiterfahren.
Alex bog also wieder mit dem Fahrzeug und der kostbaren Fracht auf die Autobahn ein, nur um kurz darauf einen riesen Schrecken zu erfahren.
Ein kleines "Autöli" kam mit viel Schuss neben uns hergefahren und drückte uns mehr oder weniger ungewollt auf die linke Fahrspur. Als wäre das noch nicht genug gefährlich gewesen, scherte das Autöli vor uns auch zur linken Spur aus. Wenn Alex nicht die Bremse bedient hätte, dann hätten wir das Ding wohl volle Kanne auf die Motorhaube aufgeladen. Als Alex schon die Hand zur Hupe hebte und die 3 Mitfahrer sich schon lauthals beschweren wollten, sahen wir die Ursache des ganzen Problems. Ein weiterer Autofahrer drückte das kleine Autöli ganz selbstverständlich von der Spur, zum Glück ist unser Schiff so wendig und unsere Bremsen funktionierten einwandfrei.
Die Zeit auf dem Navi wurde immer weniger und der letzte Wechsel stand an. Alena übernahm ihre letzte Etappe.
So fuhren wir gemütlich auf der Autobahn, als Alex ihre Hand bewegte. Alena riss die Augen auf und meinte "ich hätte schwören können du hast den Autoschlüssel in der Hand". Ein ungläubiger Blick, lautes Lachen und dann die Realisation: "ach nein, ich fahre ja". Die zwei amüsierten sich noch ein länger, bis der Blick von Alex auf die Rückbank schweifte. Moritz schlief tief und fest seit etwa vier Stunden. Erneut ertönte Gelächter im Auto, denn plötzlich sah Alex, dass Moritz und Fermin genau in der selben Position schliefen.
Nun wollen wir euch noch von den komischen Strassenschildern erzählen die wir gesehen haben.
Denn diese machen wirklich keinen Sinn. Immer wieder sahen wir auf der Autobahn mit Geschwindigkeitsbegrenzung 120km/h, Schilder die den Wildwechsel signalisieren. Bis jetzt haben wir das aber zum Glück noch nicht erlebt. Weiter geht es mit den Spurwechsel-Schildern. Bei einer Ausfahrt wimmelt es nur so von denen. Ein Pfeil zeigt in Fahrtrichtung und der andere geht in einem Dreieck retour in die entgegengesetzte Richtung. Wenn man das Bild zum ersten Mal sieht, könnte man meinen, dass man beliebig eine Linkskurve einbauen kann und bei den Autos gegenüber mitfahren darf. Wir hoffen jedoch, dass dies nicht so gemeint ist... zum Fahrstil der Spanier könnte es jedoch passen. Doch der wilde Ritt auf der Autobahn sollte noch lange nicht auserzählt sein. Wir trafen auf eine hügelige Autobahn, Gefälle 6-7% und diese sollte mit 120km/h befahren werden. Die Strassenzulassungsbehörden von Spanien scheinen sehr entspannte Leute zu sein, wenn sie das als "normal" ansehen. Die Spanier an sich scheint das aber auch nicht wirklich zu stören, denn die brettern über diese Autobahnen als hätten sie das schon mit dem Bobbycar und einem Schwarm von Hornissen hinter sich gemacht. Die letzten zwei Stunden der Autobahn waren abgesehen von den Strassenverhältnissen nicht all zu spannend.
Der immer noch schlafende Moritz hat sich sicherlich ein Mal den Kopf gestossen und unser Geschirr lag nach all den "Bödöm-Bödöms" auch nicht mehr so schön in der Schublade, wie es mal eingeräumt war.
Dafür war die Landschaft rund herum umso spannender. Einige Hügel, wunderschöne Felswände und Büsche. Laut Alex standen da auch noch Ziegen, die Fahrerin Alena hat diese aber nicht gesehen. Dadurch, dass sie auch Liam nicht gesehen hat, stand 2:1 und Alex hinterfragte, ob sie nicht doch Halluzinationen hat. Wir waren schon wieder einige hundert Kilometer weiter als sich die Blase und der halbleere Tank meldeten. So fuhren wir raus und die Tankstelle war geschlossen. Das war nicht der Plan... naja die Nächste wurde angesteuert und verpasst, weil Alena die Einfahrt nicht gesehen hat... Bekanntlich sind aber auch alle guten Dinge drei so anscheinend auch bei Tankstellen. Moritz wurde geweckt und die Herren konnten Bier holen, die Blasen konnten erleichtert werden und auch Fermin konnte sich wieder ein Mal die Beine vertreten. Zurück im Van kam dann "die Idee" von Liam und Moritz. Sie machten da den Start für eine Bier-Tour durch Spanien und kauften direkt zwei "Cervezas" die ihnen unbekannt waren, um sie anschliessend zu bewerten. Weiter ging es, jedoch nur noch wenige Kilometer mit 100 km/h auf dem Tacho. Die Autobahn wurde verlassen und plötzlich fanden wir uns auf einer Schnellstrasse wieder. Die besagte Strasse war eine 80er Zone, mitten durch Marbella und Ausfahrten alle paar Meter. Was wir jetzt sicher wissen, unsere Bremsen funktionieren wirklich, wirklich gut! Und da sahen wir es, das Ziel und die Einfahrt vom Camping. Müde aber voller Freude kurvten wir um fast alle Schlaglöcher herum und parkten vor dem Eingang.
Das Lied des Tages: Die Schweizer Nationalhymne
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