Auf los geht`s los
Die erste Fahr-Etappe hat Liam übernommen. Im riesigen Schiff sah er aus, als hätte er nie etwas anderes gemacht mit der Sonnenbrille auf der Nase und dem "stäckegraden" Sitz. Ein richtiger Wohnmobil-Papa eben. Alex war die erste Beifahrerin, wobei sie einen superguten Job machte, denn sie wurde zum lebendigen Radar-Bot und hat jeden Blitzer schon vor allen anderen gesehen und angekündigt. Dank diesem Einsatz haben wir keine einzige Busse gesammelt... glauben wir jedenfalls.
Die Schweizer Autobahnen liessen wir nach etwa zweieinhalb Stunden hinter uns und konnten dann in Frankreich richtig durchstarten. Während der Fahrt kam dann die glorreiche Idee, Fermin braucht einen Kauknochen. Die Schwierigkeit dabei war, die Kauknochen waren in der untersten Tasche hinter den Sitzen der Rückbank. Die ganze Suchaktion passierte während dem Schritttempo im Stau. Durch das Bremsen und wieder Anfahren, war es nicht einfacher die Kauknochen zu angeln. Irgendwann sass Moritz da mit unserem Spülbecken auf dem Schoss und Alenas Sonnenbrille auf dem Kopf. Zudem nahm Fermin Anlauf, hüpfte auf den Sitz und nahm Alenas Beine als Erhöhung. So sass er wohlauf und beobachtete das Geschehen auf der Strasse vom Fenster. Nach längerem hin und her rutschen, umräumen und Fermin sein Körbchen wieder attraktiv zu machen, war die Situation wieder unter Kontrolle.
Plötzlich kam die Idee, es werden Autos gezählt! Alex die Roten, Alena die Blauen, Moritz die Gelben und Liam die Orangen. Vielleicht könnt ihr euch schon denken, wer eine Chance hatte und wer nur sehr stockend vorwärts kam. Unsere Rangliste findet ihr im letzten Abschnitt.
Da waren wir nun, schon längere Zeit im Auto, sodass langsam aber sicher der Rücken, das "Füdli" oder auch die Beine unangenehme Schmerzen verursachten.
Der nächste Rastplatz wurde zu unserem ersten Halt auserkoren und wir konnten uns endlich die Beine vertreten. Auch Fermin war ganz aus dem Häuschen und musste sich gleich an verschiedensten Stellen verewigen. Ein lustiger Gedanken kam uns in die Sinne geschossen: Versteht unser Fermin durch das Schnüffeln die anderen Hunde? Oder fragt er sich: "Wo haben die mich bloß hinverschleppt?" Das sollten jedoch noch nicht alle Erzählungen dieses Halts gewesen sein, denn auch die Blase meldete sich. Alena und Alex nahmen zuerst eine Geruchsprobe vom Klo, doch erstaunlicherweise müffelte es nicht und sogar den Radio führten sie uns zu Ohren. Grandios dachten wir uns und Alex pinkelte los... Das war uns eine Lehre, denn das gute Klopapier liess sich nicht finden. Retterin Alena quetschte sich durch den Spalt der Tür, suchte das Klopapier im Van auf und kam heroisch zurück. Etwas erstaunt war sie, als sie die lachende Alex auf der Schüssel antraf. Die gute Toilette spülte tatsächlich, wenn die Tür geöffnet und wieder geschlossen wird. So kam ganze zwei Mal ein leichter Hauch von Sprudel ans "Füdli" geschossen. Das Klopapier wurde dann noch dankbarer angenommen als zuvor schon!
Nach der grossen Erleichterung schwingten wir uns dann wieder auf die Plätze und Alex übernahm das Steuer. So sicher, wie sie sich ans Steuer setzte, so sicher passierte sie auch die Ausfahrt. Gut, dass wir eigentlich gefühlte 200km weiter auf der Autobahn hätten bleiben sollen. Die extra Rundfahrt war weniger faszinierend aber der überraschendste Einsatz seitens Moritz war genial. Der Kreisel wurde etwas mit Schuss befahren und war auch in seiner Grösse nicht sonderlich imposant. So warf sich Moritz in die Bresche für uns und rettete die wohl nicht so gut gesicherte Ware auf der Küchenzeile. Als kleines "Gudi" dafür, dass wir die Autobahn wieder gefunden haben, durften wir brandneue Schiffe auf einem gigantischen Transporter begutachten.
Die Franzosen waren nicht so gnädig mit uns, denn wir hatten schon die nächste Mautstelle in Sicht.
Das Zahlen kannten wir ja bereits, die verwirrende Einspur-Situation war Alex jedoch neu. Mittig fuhr sie ins Verderben und das war wohl auch das Problem. Ein Auto zur Linken und ein Lastwagen zur Rechten und plötzlich erfuhren wir das allerschönste Hupkonzert, welches wir uns je zu Gemüte führen durften. Ob wir nun die Schuld tragen oder ob man anmerken darf, dass man Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen kann... lassen wir offen stehen. Jedenfalls können Lastwagen sehr lange hupen.
Auch unsere Karosserie hat einmal Durst.
So setzten wir den Blinker, bogen ein und im Nachhinein hätten wir rückwärts wieder zurück gleiten sollen. Aber das meine Lieben wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Nach längerem riegeln und tüfteln, gelang es uns den Tank zu befüllen. Geschätzt haben wir 85 Euro, schlussendlich waren es aber sage und schreibe 116 Euronen. Der Schock sitzt uns jetzt noch in den Knochen und wenn wir ganz leise sind, hört man auch das Wimmern unseres Portemonnaie.
Nach einer solch happigen Fahrt, hat man auch irgendwann mal ein sogenanntes "Hüngerli".
Ein Ruf nach hinten und das heilige belegte Semmeli kam geliefert. Man glaubt kaum, wie gut das schmecken kann, wenn da ein einfaches Essiggürkchen drin steckt. Gerade weil dieses Gürkchen so unglaublich gut war, mussten wir dieser Situation einen Namen geben, und so entstand der "Gurken-Kick". Wir finden das ja enorm passend, probiert es doch mal aus. Falls ihr auch vom Gurken-Kick überrascht werdet, lasst es uns in den Kommentaren wissen. Auch die erste Fahr-Etappe von Alex sollte ein Ende nehmen, weshalb der nächste Rastplatz aufgesucht wurde.
Ihr könnt es euch denken, Rastplatz = Pipipause, so auch für uns.
Nur hatten wir den Rastplatz nicht sonderlich geschickt gewählt, was uns offiziell zu Wildpinklern machte. Wildpinkeln ist ja auch etwas Schönes, das kann keiner abstreiten. Weniger schön ist es aber, wenn man währenddessen bemerkt, dass da noch eine kleine Strasse ist. So haben wir in unserer Freude eventuell zwei oder drei Autos unser "bluttes Füdli" präsentiert. Aber uns kennt zum Glück eh Keiner, also war es uns auch ein bisschen gleichgültig. Vom einen Abenteuer ging es für Alena gleich ins Nächste, denn nun war ihre Fahr-Etappe dran. Zum Glück, hatte Alex ihr vorher noch etwa drei Mal erklärt, wie man denn einen Automaten überhaupt zum Anfahren bringt, sonst wären wir vielleicht länger da gestanden als gewollt. Mit einem guten Stück Nervosität ging es für Alena los, zum ersten Mal in so einem grossen Fahrzeug. Vorsichtig aber mit dem Ziel vor Augen wurde die Aufgabe gemeistert. Aber das sollte nicht die einzige Aufgabe bleiben die Alena noch erwartet.
Entweder wollte Moritz nochmal in den Genuss von Alenas Anfahr-Künsten kommen oder aber es war wirklich ein Notfall.
Um Moritz zu zitieren: "Der Stift malt schon". So wurde rassig die nächste WC-Option aufgesucht und auch dieser Punkt abgehakt (keine Sorge, alle Hosen und Unterhosen blieben sauber). Während in der Fahrerkabine einige Krisen durchlebt wurden, konnte einer ganz besonders gut schlafen. Der kleine Fermin liess sich von nichts, aber auch gar nichts aus der Ruhe bringen und schnarchte friedlich vor sich hin. Hund sollte man sein! Nun kommen wir auch schon zu den letzten Highlights von diesem Kapitel, das vereint nämlich gleich zwei supertolle Punkte. Alena hat zum ersten Mal als Fahrer eine Landesgrenze überquert, das Lustige daran war, dass wir irgendwie trotz Autobahn nicht durch einen Zoll gefahren sind. Gemerkt haben wir das aber erst gute fünf Minuten später. Naja, Landesgrenze ist Landesgrenze. Weiter hatten wir uns über den Zeitplan gefreut der super aufgegangen ist. Wir waren nämlich noch vor Anpfiff des WM Spiels der Schweiz in Spanien angekommen. Was für eine Planung!
02:45 - Buenas Noches España!
Unsere Auto-Zähl-Rangliste:
Rot: 86
Blau: 83
Orange: 17
Gelb: 10
Im Nachhinein muss man schon sagen, dass die Spanier/-innen eine Vorliebe für orange Autos haben, da Liam ab Spanien zählerisch doch noch voran kam.
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